Lomo LC-A+ – kleine Kamera, großer Spaß
Die Lomo LC-A+ gehört für mich zu den Kameras, die man nicht unbedingt braucht – die man aber unglaublich gerne dabei hat. Sie ist klein, leicht, unkompliziert und vor allem eines: eine Kamera, die einfach Spaß macht.

Lange Zeit war die LC-A+ eine der wenigen analogen Kleinbildkameras, die man tatsächlich noch neu kaufen konnte. Nach rund 20 Jahren im Programm ist ihre Zeit nun allerdings vorbei: Lomography hat die Produktion eingestellt und mit der neuen LOMO MC-A einen Nachfolger vorgestellt. Gerade deshalb finde ich es interessant, noch einmal auf die LC-A+ zu schauen.
Klein, leicht und etwas plastiklastig
Beim ersten Anfassen fällt sofort auf, dass die LC-A+ nicht gerade ein kleines Metallkunstwerk ist. Die Kamera ist vergleichsweise leicht und besteht zu einem großen Teil aus Kunststoff. Ich hätte mir durchaus etwas mehr Metall und damit auch etwas mehr Wertigkeit gewünscht.
Für mich passt die einfache Konstruktion letztlich sogar ganz gut zum Konzept der Kamera. Die LC-A+ möchte keine Leica sein und auch keine klassische mechanische Spiegelreflexkamera ersetzen. Sie ist eine kleine, unkomplizierte Schnappschusskamera, die man einfach einsteckt und mitnimmt.
Und genau das funktioniert hervorragend.
Fotografieren ohne viel nachzudenken
Das Bedienkonzept ist angenehm reduziert. Film einlegen, ISO einstellen, eine der vier Fokuszonen wählen – 0,8 Meter, 1,5 Meter, 3 Meter oder unendlich – und fotografieren. Die Belichtung übernimmt die Kamera automatisch.
Gerade diese Einfachheit macht für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Allerdings gibt es auch einen Punkt, an dem ich mir etwas mehr Kontrolle wünschen würde. Die LC-A+ lässt mir bei der Belichtung nur sehr wenig Einfluss. Blende und Verschlusszeit werden automatisch gewählt. Über die ISO-Einstellung kann man zwar etwas in die Belichtungssteuerung eingreifen, wirklich manuell fotografieren kann man damit aber nicht.
Das ist ein bewusster Unterschied zur ursprünglichen LC-A. Diese bot noch eine manuelle Blendenwahl, allerdings war diese Funktion mit Einschränkungen verbunden. Bei der LC-A+ wurde sie deshalb gestrichen.
Ich persönlich hätte diese Möglichkeit trotzdem gerne gehabt. Gerade bei analoger Fotografie macht es für mich einen gewissen Reiz aus, selbst Einfluss auf die Aufnahme zu nehmen.
Und dann sind da die Bilder
Hier spielt die LC-A+ ihre eigentliche Stärke aus.
Das 32-mm-Minitar-1-Objektiv ist sicherlich kein Objektiv, das auf maximale technische Perfektion getrimmt wurde. Dafür besitzt es einen ganz eigenen Charakter. Im Zentrum sind die Aufnahmen erstaunlich scharf, während die Bildränder sichtbar weicher werden und die typische Vignettierung entsteht.

Genau diese dunkleren Ecken gehören für mich zum Charakter der LC-A+. Lomography selbst bezeichnet die Vignettierung als eines der charakteristischen Merkmale der Kamera.
Die Bilder wirken dadurch anders als Aufnahmen einer modernen Digitalkamera. Sie sind nicht klinisch perfekt. Sie haben Ecken und Kanten, manchmal etwas Zufall – und genau das macht sie interessant.
Schnappschüsse statt Perfektion
Die LC-A+ ist für mich deshalb vor allem eine Kamera für spontane Bilder.
Man muss nicht lange überlegen. Fokuszone einstellen, Auslöser drücken und weiter. Gerade bei Tageslicht funktioniert das wunderbar. Bei wenig Licht kann die Kamera den Verschluss sehr lange offenhalten. Das ist einerseits spannend, andererseits muss man dabei natürlich auf Verwacklungen achten. Ein Warnlicht im Sucher signalisiert, wenn die Belichtungszeit entsprechend lang wird.

Interessant finde ich auch die Möglichkeit von Mehrfachbelichtungen. Der MX-Schalter gehört zu den Funktionen, die die LC-A+ gegenüber der ursprünglichen LC-A erweitert haben. Dazu kommen der größere ISO-Bereich bis 1600 und die Möglichkeit für Langzeitbelichtungen über einen Kabelauslöser.
Damit bietet die kleine Kamera durchaus Möglichkeiten für kreative Experimente – auch wenn das Grundkonzept immer unkompliziert bleibt.
Analog fotografieren und entschleunigen
Was mir an der LC-A+ am besten gefällt, ist aber eigentlich gar keine technische Eigenschaft.
Es ist das Gefühl, wieder analog zu fotografieren.
Man hat 36 Aufnahmen auf einem Film und kann nicht sofort auf das Display schauen. Jede Aufnahme wird dadurch ein bisschen bewusster. Man überlegt vielleicht kurz, bevor man den Auslöser drückt. Danach heißt es warten, bis der Film entwickelt und gescannt ist.
Das ist eine angenehme Entschleunigung, gerade wenn man ansonsten ständig mit digitalen Kameras oder dem Smartphone fotografiert.

Die LC-A+ unterstützt dieses Gefühl perfekt, weil sie sich nicht zwischen mich und das Motiv stellt. Sie macht ihre Arbeit im Hintergrund und lässt mich fotografieren.
Fazit
Die Lomo LC-A+ ist keine klassische hochwertige analoge Kamera und will das auch gar nicht sein. Wer eine massiv gebaute mechanische Kamera mit umfangreichen manuellen Einstellungsmöglichkeiten sucht, wird hier wahrscheinlich nicht glücklich.
Für mich ist sie etwas anderes: eine kleine Kamera, die man einfach gerne mitnimmt.
Die Verarbeitung ist ordentlich, wenn auch etwas plastiklastig. Mehr Metall hätte ihr sicher gutgetan. Dafür ist sie klein, leicht und unkompliziert. Das Minitar-1-Objektiv liefert Bilder mit einem ganz eigenen Charakter: in der Mitte überraschend scharf, zu den Rändern hin weicher und mit der typischen Lomography-Vignettierung.
Und genau darum geht es bei der LC-A+.
Sie soll keine perfekte Fotografie ermöglichen. Sie soll Lust aufs Fotografieren machen.
Für mich funktioniert das erstaunlich gut. Die Kamera macht Spaß, die Ergebnisse haben Charakter und die entschleunigte Art der analogen Fotografie bekommt plötzlich wieder ihren ganz eigenen Reiz.
Schade, dass die LC-A+ nun durch die MC-A ersetzt wurde. Gerade weil sie so anders ist als moderne Kameras, hätte sie meiner Meinung nach noch lange einen Platz im Lomography-Programm verdient.


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