Seestar S30 Pro

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Seestar S30 Pro – viel Himmel, wenig Aufwand

Ich besitze bereits das Seestar S50 und war damit eigentlich schon sehr zufrieden. Trotzdem hat mich das neue Seestar S30 Pro sofort interessiert. Der Grund dafür war weniger der Wunsch nach noch mehr Auflösung, sondern vor allem das deutlich größere Sichtfeld.

Mit dem S50 lassen sich kleinere Galaxien, Kugelsternhaufen oder planetarische Nebel sehr schön ins Bild setzen. Bei größeren Galaxien und ausgedehnten Nebelgebieten stößt man mit dem relativ kleinen Bildfeld des S50 allerdings schnell an Grenzen. Genau hier setzt das S30 Pro an. Das Teleobjektiv bietet ein Sichtfeld von 4,6° – gegenüber den gerade einmal 0,73° × 1,29° des S50 ist das ein gewaltiger Unterschied.

Und genau das war für mich der Hauptgrund, das S30 Pro auszuprobieren.

Seestar S30 Pro auf dem Balkon

Klein, leicht und sofort einsatzbereit

Was mir schon beim S50 gefällt, wurde beim S30 Pro konsequent weitergeführt: Man nimmt das Teleskop, stellt es auf, verbindet das Smartphone und kann praktisch sofort loslegen.

Das S30 Pro wiegt nur 1,65 kg und ist mit 210 × 140 × 80 mm ausgesprochen kompakt. Der mitgelieferte Tripod ist sicherlich kein High-End-Stativ, erfüllt seinen Zweck aber problemlos. Auch die Tasche gefällt mir gut. Alles lässt sich sauber verstauen und das gesamte Paket ist so kompakt, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, das S30 Pro auch auf Reisen mitzunehmen.

Gerade im Vergleich zu einem klassischen Astrofotografie-Setup ist das natürlich eine andere Welt. Kein Teleskop, keine separate Kamera, keine Montierung, kein Laptop und keine aufwendige Verkabelung.

Mein eigentliches Einsatzgebiet: die großen Motive

Für mich ist das S30 Pro vor allem ein Spezialist für große Himmelsobjekte.

Andromeda, die Plejaden, der Orionnebel mit dem Running-Man-Nebel oder größere Nebelregionen profitieren enorm vom größeren Bildfeld.

Besonders schön finde ich, dass man dadurch nicht ständig überlegen muss, ob das Objekt überhaupt in den Bildausschnitt passt. Beim S50 hatte ich häufiger genau diesen Gedanken. Beim S30 Pro ist deutlich mehr Luft um das eigentliche Ziel.

Das verändert auch die Bildwirkung. Man bekommt nicht einfach nur einen Ausschnitt eines Nebels oder einer Galaxie, sondern kann das Objekt stärker in seinen kosmischen Zusammenhang setzen.

Klein mit Tasche – extrem praktisch

Und das Ganze mitten in der Stadt

Für mich ist das ein besonders wichtiger Punkt.

Ich nutze das S30 Pro nicht unter einem perfekten dunklen Himmel, sondern in einem städtischen Umfeld mit entsprechend hoher Lichtverschmutzung. Eigentlich nicht gerade die ideale Voraussetzung für Deep-Sky-Fotografie.

Genau hier hat mich das S30 Pro positiv überrascht.

Der integrierte Dualband-Lichtverschmutzungsfilter lässt sich direkt über die App aktivieren. Er ist auf die für Emissionsnebel wichtigen H-alpha- und OIII-Bereiche ausgelegt und reduziert gleichzeitig einen Teil des störenden Stadtlichts.

Natürlich ersetzt das keinen wirklich dunklen Himmel. Aber darum geht es mir bei diesem Teleskop auch nicht.

Ich möchte abends einfach auf den Balkon gehen, das S30 Pro aufstellen und innerhalb weniger Minuten ein gutes Bild bekommen – ohne vorher eine Stunde lang Equipment aufzubauen.

Und genau das funktioniert erstaunlich gut.

Das eigentliche Highlight: Man braucht kaum Nachbearbeitung

Hier hat mich das S30 Pro wahrscheinlich am meisten überrascht.

Ich habe bei meinen Aufnahmen bewusst versucht, auf eine umfangreiche Nachbearbeitung mit Programmen wie PixInsight oder Siril zu verzichten. Natürlich kann man die FITS-Daten exportieren und anschließend mit professioneller Astrofotografie-Software noch deutlich mehr aus den Aufnahmen herausholen.

Aber das ist für mich gar nicht der entscheidende Punkt.

Ich möchte möglichst schnell zu einem fertigen Bild kommen.

Und dafür reicht die Seestar-App erstaunlich weit.

Man lässt das S30 Pro einfach einige Zeit aufnehmen und zuschauen, wie sich das Bild durch das Live-Stacking langsam entwickelt. Anschließend kann man mit den vergleichsweise einfachen Werkzeugen der App noch Helligkeit, Kontrast, Sättigung und weitere Parameter anpassen.

Das Ergebnis ist teilweise wirklich erstaunlich.

Mond Stack aus 30s Video in der Seestar App

Vor allem wenn man sich bewusst macht, dass die Aufnahme unter einem aufgehellten Stadthimmel entstanden ist und ich anschließend nicht mehrere Stunden in PixInsight verbracht habe.

Für mich ist genau das die große Stärke des gesamten Seestar-Konzepts: Das Ergebnis steht im Vordergrund und nicht die Technik dahinter.

Finden und Nachführen funktionieren hervorragend

Auch die Automatisierung funktioniert aus meiner Sicht sehr zuverlässig.

Objekt auswählen, GoTo starten – und das S30 Pro sucht sich das Ziel praktisch selbst. Die Kombination aus automatischer Positionierung, Autofokus und Nachführung macht die Bedienung ausgesprochen unkompliziert.

Auch andere Tests bestätigen diesen Eindruck. Bei einem Praxistest wurde beispielsweise M31 ausgewählt und das Teleskop fand das Objekt innerhalb etwa einer Minute, fokussierte automatisch und begann anschließend unmittelbar mit den Aufnahmen.

M31 Andromeda Galaxie nachbearbeitet

Für mich ist das besonders angenehm, weil ich mich nicht mit dem klassischen „Wo bin ich eigentlich gerade?“ beschäftigen muss.

Das Objekt wird ausgewählt – und das Teleskop macht den Rest.

Die zweite Kamera ist mehr als nur ein Sucher

Eine Besonderheit des S30 Pro ist die zusätzliche Weitwinkelkamera.

Sie arbeitet mit einem Sony IMX58 und besitzt ein beeindruckendes Sichtfeld von 63°. Damit kann das S30 Pro weit mehr als nur klassische Deep-Sky-Aufnahmen. Die Kamera eignet sich beispielsweise für sehr große Himmelsbereiche, Sternfelder und die inzwischen integrierten Weitwinkel- beziehungsweise Milchstraßenfunktionen.

Unter einem wirklich dunklen Himmel dürfte das besonders interessant sein. In meinem städtischen Umfeld sind die Möglichkeiten der Milchstraßenfotografie naturgemäß stärker eingeschränkt.

Milchstraße aufgenommen in den Alpen bei guten Bedingungen

Für mich ist die Weitwinkelkamera deshalb vor allem eine sehr interessante Ergänzung und weniger der Hauptgrund für das S30 Pro.

Was das S30 Pro nicht ist

Man sollte allerdings auch wissen, wo die Stärken des S30 Pro liegen – und wo nicht.

Es ist kein Teleskop, das primär für maximale Planetendetails entwickelt wurde. Jupiter und Saturn kann man natürlich beobachten bzw. aufnehmen, aber dafür ist ein größeres Teleskop mit längerer Brennweite und größerer Öffnung die passendere Lösung. Auch kleine Galaxien wirken aufgrund des großen Bildfeldes entsprechend klein.

Wer also hauptsächlich möglichst viele Details auf Jupiter, Saturn oder kleinen Deep-Sky-Objekten sucht, wird mit einem S50 oder einem größeren klassischen Teleskop mehr anfangen können.

Das S30 Pro verfolgt einen anderen Ansatz.

Es möchte möglichst viel Himmel auf einmal zeigen.

Und genau darin liegt seine Stärke.

S30 Pro und S50 – für mich keine Konkurrenz

Interessanterweise sehe ich das S30 Pro deshalb auch nicht als Ersatz für mein S50.

Für mich ergänzen sich beide Geräte hervorragend.

Das S50 mit seiner 250-mm-Brennweite und 50-mm-Öffnung ist für kleinere Objekte und detailliertere Aufnahmen interessant. Das S30 Pro dagegen spielt seine Stärke bei großen Galaxien, Nebeln und Sternfeldern aus.

Ich kann mir deshalb gut vorstellen, beide Geräte abhängig vom Motiv einzusetzen.

S50 für kleinere Ziele und wenn ich möglichst viel Detail möchte.

S30 Pro, wenn das Motiv groß ist und ich einen möglichst großen Ausschnitt des Himmels aufnehmen möchte.

Hier spielt das Seestar S50 seine Stärken aus, leider habe ich hier noch keinen direkten Vergleich mit dem S30 Pro

Mein Fazit

Für mich ist das Seestar S30 Pro vor allem eines: unglaublich unkomplizierte Astrofotografie.

Ich stelle das kleine Teleskop auf, wähle mein Objekt aus und kann praktisch zuschauen, wie sich innerhalb weniger Minuten ein Bild entwickelt, für das man mit klassischem Equipment deutlich mehr Aufwand betreiben müsste.

Besonders beeindruckt mich dabei, was unter meinem städtischen Himmel möglich ist.

Natürlich sieht man auf einem dunklen Landhimmel noch einmal deutlich mehr. Aber selbst unter Lichtverschmutzung entstehen mit dem S30 Pro erstaunlich gute Bilder. Und das Beste daran ist für mich, dass ich dafür nicht zwingend PixInsight, Siril oder andere komplexe Programme bemühen muss.

Die Bordmittel der Seestar-App reichen bereits aus, um aus den Aufnahmen sehr ansprechende Ergebnisse zu machen.

Dazu kommen die hervorragende automatische Objekterkennung, die zuverlässige Nachführung, das geringe Gewicht, die praktische Tasche und der kompakte Tripod.

Für mich ist das S30 Pro deshalb weniger ein „kleines Teleskop“ als vielmehr eine kompakte Astro-Kamera mit erstaunlich viel Automatisierung.

Und genau das macht es für mich so interessant.

Nachdem ich das S50 bereits besitze, war das größere Sichtfeld des S30 Pro für mich der entscheidende Grund, es auszuprobieren. Nach meinen bisherigen Erfahrungen hat sich diese Entscheidung gelohnt.

Sonnenfinsternis mit dem S30 Pro

Das S50 zeigt mir mehr Details. Das S30 Pro zeigt mir mehr Himmel.

Und manchmal ist genau das das spannendere Bild.

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Smart Teleskop

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